Die Weinbergmacher:

Interview mit Ragna Haseloff und Horst Heinisch

Dipl. Ing. Ragna Haseloff (*1965)

Studium der Landschaftsarchitektur an der Fachhochschule Weihenstephan.

Seit 1992 in Hamburg, Berlin und Brandenburg als Landschaftsarchitektin tätig.

1998 Mitbegründerin von atelier8 landschaftsarchitektur

Seit 1999 mit festem Wohnsitz in Baruth/Mark

2005- 2015 Vorstand im Verein „Freunde und Förderer Schule und Freizeit Baruth/M.“

2004 Mitbegründerin vom IKU, seit 2015 Vorstandsmitglied

2019 Mitbegründerin des Baruther Frauennetzwerks

 

Dipl. Ing. Horst Heinisch (*1961)

Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Hannover und in Kyoto, Japan.

1989-1991 Meisterschüler von Nakane, Kinsaku (Kyoto), University of Fine Arts (Osaka), mit einjähriger Praxis als Gärtner, Pflegearbeiten in den Zen-Tempeln Kyotos.

Reisebuchautor, diverse Veröffentlichungen zu Gärten am Reiseweg (Gartenpraxis, Ulmer-Verlag)

Seit 1997 in Baruth als freischaffender Landschaftsarchitekt tätig.

1998 Mitbegründer von atelier8 landschaftsarchitektur

2004 Mitbegründer vom IKU, mehrere Jahre Vorstandsmitglied

1. Liebe Ragna, lieber Horst, Ihr beide brennt für den Weinberg und habt euch im I-KU von Anfang an für dieses Vorhaben eingesetzt. Ohne euer professionelles Engagement und eure Erfahrung hätte unser Weinberg die ersten Jahre wahrscheinlich nicht überlebt. Wenn ihr jetzt zurückschaut, was war die bislang größte Herausforderung für euch? 

Eigentlich ist jedes Jahr eine Herausforderung, da wir bei der Organisation der Weinbergpflege gefühlt immer hinterher rennen. Trotzdem ist es dank der vielen enthusiastischen Helfer und Vereinsmitglieder bisher jedes Jahr gelungen, den Weinberg bis zum Weinbergfest in einen ansehnlichen Zustand zu bringen. Insofern ist die größte Herausforderung: immer dran bleiben und den Weinberg im Blick haben, damit die Trauben gesund bis zur Lese heranreifen können.

Die bislang größte Herausforderung war sicher die Erweiterung des Weinbergs und die Errichtung des Vereinssitzes mit Weinbergscheune vor einigen Jahren. Nach der aufregenden maschinengesteuerten Aufpflanzung des „Neubergs“ und anschließenden Frühlingstagen, an denen uns die jungen Reben buchstäblich über den Kopf wuchsen, kam schnell die Erkenntnis, dass es ohne maschinelle Unterstützung nicht gelingen wird, den Weinberg zu etablieren. Eine Scheune musste her! Unterstützt von Thomas Näther als Architekt musste eine Baugenehmigung im Außenbereich im Wechselspiel der machtvollen Institutionen Naturschutz und Landwirtschaft beim Landkreis Teltow-Fläming durchgefochten werden. Zurückblickend sind wir heute sicher, dass uns dies nur als ortsansässiges Architektenteam und dank persönlicher Kontakte geglückt ist. 

Danach wurde es noch turbulenter, denn nach einem Förderantrag bei der LAG Rund um die FlämingSkate bekamen wir kurzfristig das Angebot, unser Vorhaben mit plötzlich frei gewordenen Rest-Fördermitteln zu realisieren. Einzige Bedingung: das Geld musste innerhalb von sechs Monaten ausgegeben werden, was konkret bedeutete: Bau der kompletten Scheune mit allen Grundstückserschließungsleistungen und Gewerken.

Aus heutiger Sicht eine völlig undenkbare Leistung, ermöglicht dank der guten Zusammenarbeit des Teams und des Wohlwollens uns bekannter Firmen!

2. Und mit Blick nach vorn: worauf freut ihr euch am meisten, wenn ihr an die kommenden Jahre Weinberg + Goldstaub denkt?

Für nächstes Jahr freuen wir uns ganz besonders, dass wir den ersten Sekt aus der Lese 2021 kosten und anbieten können. Außerdem hoffen wir natürlich auf weitere Medaillen bei der Beurteilung des Baruther Goldstaubs auf der Berlin Wein Trophy. Nicht zuletzt genießen wir den Weinberg als Ort der Begegnung, an dem sich die Menschen wohl fühlen und wir mit vielen netten und interessanten Leuten in Kontakt kommen. 

3. Ihr seid beide Landschaftsarchitekten und führt ein Büro in Baruth mit Zweigstelle in Berlin. Welche Veränderungen bringt der Klimawandel für eure Arbeit mit sich? 

Die Aufgabe der Landschaftsarchitekten wird im Zuge des Klimawandels noch bedeutsamer. Bei unseren Planungen spielt der Umgang mit dem Regenwasser, das trotz zunehmender Starkregenereignisse auf den Grundstücken zurückgehalten und versickert werden soll, eine große Rolle.  Des Weiteren ändern sich die Anforderungen an die Pflanzenverwendung: die heimischen Gehölze leiden zunehmend unter der anhaltenden Trockenheit, zahlreiche Baumarten sind von Krankheiten bedroht. Gleichzeitig benötigen wir dringend gesunde Bäume, um vor allem das Klima in den Städten im Sommer erträglich zu halten. Die Verwendung von Baumarten aus anderen Regionen und neuer gesunder Züchtungen fordert gute Pflanzenkenntnisse.

Unter anderem arbeiten wir auch daran, das Bewusstsein bei privaten und öffentlichen Auftraggebern zu schärfen, dass das Bild vom perfekten Garten oder auch öffentlichen Grünanlage heute nicht mehr der kurzgeschnittene grüne Rasen ist, sondern die vielfältig blühende Wiese, die den heimischen Insektenarten Nahrung bietet. 

4. Wie schätzt ihr die Konsequenzen des Klimawandels auf die Landwirtschaft, speziell den Weinbau, in unseren Breitengraden ein?

Nach den heißen trockenen Jahren 2018 und 2019 wurde uns erst klar, dass der Wein von der Hitze profitiert hat, während viele andere landwirtschaftliche Kulturen unter der trockenen Hitze gelitten haben. Die Weinberge in Brandenburg haben auf jeden Fall eine Zukunft und möglicherweise stellen noch andere Landwirte auf Weinbau um, wenn sich der Anbau anderer Kulturen zunehmend nicht mehr lohnt.