Weinbau als Perspektive für die brandenburgische Landwirtschaft?

Interview mit Ferdinand von Lochow, I-KU Mitglied

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Ferdinand von Lochow

* 1969
1970 – 1977 Barcelona
1977 – 1988 Niedersachsen, Abitur in Bad Gandersheim
1990 – 1996 BWL-Studium in Göttingen und Berlin
1992 Pacht des alten Familienbetriebes in Petkus von der Treuhandanstalt

1996 – 2001 Arthur Andersen Unternehmensberatung

Lieber Ferdinand, Deine Familie ist schon seit Generationen mit den Ländereien um Petkus verbunden. Besonders bekannt ist Dein Ururgroßvater Ferdinand III. Was waren seine Verdienste, die Euren Namen in die Welt hinausgetragen haben?
Auf dem sandigen, trockenen Standort hier mit seiner Hauptkultur Roggen gab es nur schlechte Erträge. Er begann etwa 1881, aus einzelnen Parzellen Ähren, die qualitativ besser waren als der Rest, herauszulesen und deren Körner als Grundlage für die nächste Aussaat zu nehmen. Das setzte er über mehrere Jahre fort und entwickelte damit als einer der ersten Züchtungen, die ertragreicher und standfester waren. Durch das Interesse seiner Nachbarhöfe wurde er veranlasst, das Saatgut zu verkaufen und erreichte schließlich einen Marktteil von 90 % in Deutschland und ca. 50 % weltweit.

Nach der politischen Wende habt Ihr die alten Flächen zurückerworben. Was verbindet Dich, der du anderswo aufgewachsen bist, heute mit dieser Scholle?
Wenn die Geschichtsschreibung stimmt, dann sind Lochows bereits im 10. Jahrhundert in die Mark Brandenburg gekommen, also über 1000 Jahre im Land. Nach der Enteignung 1945/49 durch die Wende die Chance zu haben, auf den alten Flächen und im alten Haus zu starten, war eine spannende Möglichkeit und schöne Grundlage, um unternehmerisch aktiv zu werden, was ich immer wollte. Ziel war es, etwas zu schaffen, wovon man leben kann, aber es sollte auch nachhaltig sein. Es musste etwas Sinnvolles sein, was uns alle nach vorne bringt.

Unter diesem Gesichtspunkt machst Du also alles im Sinne eines ökologischen Anbaus?
Alles, was ich hier auf meinen Flächen tun kann, läuft immer unter den Rahmenbedingungen, etwas gegen den Klimawandel zu tun und die Biodiversität zu sichern.

Jetzt hast Du ein neues Kapitel aufgeschlagen. Was hat Dich dazu bewogen, Dich dem Weinbau zu widmen?
Eigentlich sind es drei Gründe. Zum einen ist es so, dass auch unter den Weinbauern der Klimawandel beobachtet wird und auch da die These herrscht, dass sich der Weinbau nach Norden verlagern wird. So kaufen zum Beispiel bereits französische Betriebe Flächen in Dänemark, um dort Weinbau zu betreiben. Das zweite ist das tolle Beispiel des Baruther Weinbergs, wo man sieht, dass es funktioniert, dass der Wein eine sehr gute Qualität hat. Und zum Dritten müssen wir überlegen, womit wir hier auf diesem trockenen, sandigen Standort in den nächsten Generationen wirtschaften können. Der Getreideanbau ist schwierig und so steigen wir in den Weinbau ein, um zu sehen, ob es funktioniert.

Die Bodenzahl auf Deinem Weinbaugelände beträgt 25, das ist nicht viel, reicht aber augenscheinlich aus.
Der Wein kann mit sandigen Böden leben, wenn unten Lehmschichten drin sind, was hier der Fall ist. Wir werden eine Tröpfchenbewässerung anlegen. Sonst würden die Pflanzen die ersten Jahre nicht schaffen, solange sich die Wurzelmasse noch nicht ausgebildet hat. Vorher stand Getreide auf der Fläche und in den letzten beiden Jahren Luzerne und Kleegras mit der Idee, den Boden aufzubauen, Nährstoffe einzubringen und den Boden aufzuschließen.

Wie groß ist die Fläche?
Wir haben vom Landesamt für Landwirtschaft eine Genehmigung für 1,7 ha bekommen und haben dieses Jahr 0,4 ha mit Reben bepflanzt, den Rest machen wir im nächsten Frühjahr.

Und jetzt die fürs I-KU besonders spannende Frage: Welche Rebsorten?
Die Rebsorte, die wir in diesem Jahr angebaut haben, ist Cabernet Blanc. Das ist eine Piwi-Sorte, also pilzwiderstandsfähig, und eine Folgesorte von Johanniter, Helios und Solaris. Piwi-Sorten haben den Vorteil, dass man sie viel weniger spritzen muss, nämlich 3 bis 4 mal statt 10 bis 12 mal, was für die Umwelt wie für den Wein besser ist, wobei wir im Ökolandbau ohnehin nur mit Schwefel, Kupfer und Backpulver arbeiten dürfen.

Wie kam es zur Auswahl dieser Rebsorte?
Wir haben mit der Rebschule Freytag in Süddeutschland zusammengearbeitet und außerdem hier im Freundeskreis eine Weinprobe mit 40 Sorten gemacht. Da fiel der Cabernet Blanc positiv auf. Nächstes Jahr kommt noch der Sauviniac dazu, auch eine Piwi-Sorte.

Wann rechnest Du mit ersten Erträgen?
In drei Jahren.

Ist schon klar, wo der Wein gekeltert werden soll?
Nein, das ist schwer, da die Dienstleiser ausgelastet sind. Man muss überlegen, ob man vielleicht doch schon bald selber das Keltern versucht.

Wo siehst Du Euer Vertriebsgebiet?
Wir wollen einen guten Bio-Wein vor allem für den Berliner Markt erzeugen. Vielleicht wird es ja hier auch einmal eine eigene offizielle Weinbauregion geben – bisher dürfen hiesige Erzeugnisse ja nur als Brandenburger Landwein vermarktet werden – mit dem Baruther Weinberg als Urkeimzelle für den Weinbau in der Mark Brandenburg. Das wäre spannend und ist vorstellbar. Man kann den Initiatoren vom I-KU nur dankbar sein für die Vorarbeit, die dort geleistet worden ist, für die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen und die Idee umzusetzen.

Interview: Wilken Straatman