33 Jahre Baruth gestalten –
ein Interview mit Bürgermeister Peter Ilk
Peter Ilk
- * 1964, verheiratet, 3 erwachsene Kinder
- Beruf Bauingenieur (Dipl.-Ing.)
- Studium an der Ingenieurhochschule Cottbus (1983-1987)
- 1987-1993 Tätigkeit in verschiedenen Bauverwaltungen in Berlin und Strausberg
- 1993-2002 Leiter des Bauamtes der Stadt Mittenwalde
- Seit 2002 Bürgermeister der Stadt Baruth/Mark, parteilos
Wenn Peter Ilk über seine 33 Jahre als Bürgermeister spricht, klingt da vor allem eines mit: Gestaltungswille. Vom ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Klasdorf avancierte er 2002 zum ersten hauptamtlichen Stadtoberhaupt von Baruth/Mark. Dass er Bauingenieur ist, merkt man sofort: Infrastruktur, Aufbau, Entwicklung – dafür brannte er von Anfang an. Im Mai 2026 endet seine Amtszeit. „Ich bin selbst überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagt er rückblickend.
Lieber Herr Bürgermeister, lieber Peter, mehr als drei Jahrzehnte waren Sie für Baruth aktiv. Was hat Sie all die Jahre motiviert?
Von 1993-2002 war ich ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Klasdorf und Amtsausschussvorsitzender. Mit der Gemeindegebietsreform 2002 haben sich dann die Gemeinden zur Stadt Baruth/Mark zusammengeschlossen und ich wurde zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Als Bauingenieur liegt mir Gestalten im Blut – und nach der Wende gab es enorm viel aufzubauen: Wasserversorgung, Abwasser, Straßen, Dorfgemeinschaftshäuser, Feuerwehrgerätehäuser und unser Schulzentrum. Es hat mich immer angetrieben, diese Region weiterzuentwickeln.
Auf welche Projekte blicken Sie mit besonderem Stolz zurück?
Ganz vorne steht das Industriegebiet, das wir seit den 1990ern aufgebaut haben. Hier ist ein integriertes Holzkompetenzzentrum entstanden, um das uns viele Kommunen inzwischen beneiden. Wertschöpfungsketten greifen ineinander, Abwärme wird genutzt, gereinigtes Abwasser wiederverwendet – ein fast geschlossener Kreislauf. Dieses Gebiet ist die Grundlage für die Entwicklung der Stadt und hat zahlreiche Arbeitsplätze für die Region geschaffen. Arbeitsplätze vor Ort sind nicht zuletzt auch ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit, da es keine langen Anfahrtswege gibt.
Ein echtes Herzensprojekt ist außerdem unser Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Mit diesem kommunalen Gesundheitszentrum haben wir die medizinische Versorgung langfristig gesichert. Meine Vision ist, dass weitere Kommunen unserem Beispiel folgen und eigene MVZ in kommunaler Trägerschaft aufbauen. Ein Netzwerk kommunaler MVZ könnte künftig ein wichtiger Baustein für die medizinische Versorgung in ländlichen Räumen werden.
Baruth trägt seit 2019 das Label „Global nachhaltige Kommune“. Wie zeigt sich das im Alltag?
Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern spielt in der Kommune eine wichtige Rolle. Ich denke da zum Beispiel an die Bürgerdialoge, die zwischen 2020-2024 stattgefunden haben oder auch an die Baruther Schlossgespräche. Sie waren Impulsgeber für zahlreiche Ideen, die umgesetzt wurden oder noch werden. Dazu gehört die Beteiligung an Photovoltaik-Anlagen, die Erarbeitung von Wärmelösungen für die Zukunft in Kooperation mit Akteuren aus dem Industriegebiet, aber auch der Rufbus oder die faire Beschaffung für Dienst- und Bauleistungen. Nicht zuletzt leisten auch die Projekte des I-KU einen Beitrag zur kommunalen Nachhaltigkeit.
Die globale Komponente ist über die Zusammenarbeit mit unserer mongolischen Partnerstadt Murun ins Spiel gekommen. Dort unterstützen wir beim Aufbau von Wasser-, Abwasser- und Gesundheitssystemen. Wichtiger Baustein war stets die Unterstützung im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Wissenstransfer ist dabei zentral – davon profitieren beide Seiten. Ähnliches gilt für die Projekte in der Ukraine, die wir seit drei Jahren durchführen.
Aktuell sorgt die geplante Erweiterung der Getränkeproduktion im Industriegebiet für Diskussionen. Kritiker befürchten steigenden Wasserverbrauch. Was sagen Sie dazu?
Dazu zunächst eine Vorbemerkung: Die Prämisse beim Aufbau des Industriegebiets war stets die nachhaltige Nutzung der vorhandenen Rohstoffe, also Holz und Wasser. Seit den 1990er Jahren haben wir ein wichtiges Holzkompetenzzentrum für die deutsche Holzindustrie mit namhaften Firmen aufgebaut. Dabei wurde immer Wert auf integrierte Wirtschaftskreisläufe gelegt. Soweit möglich soll der „Abfall“ des einen Betriebes – z.B. die Sägespäne vom Sägewerk Binderholz – der Rohstoff für den nächsten Betrieb bilden – z.B. Faserplattenherstellung bei Pfleiderer. Die Faserplatten wiederum dienen als Trägerplatte für die Herstellung von Laminat-Fußböden – z.B. bei Classen Industries. Selbstverständlich wird gereinigtes Abwasser auch für Produktionsprozesse wiederverwendet, genauso wie die Abwärme aus den Produktionsprozessen als Heizungswärme Verwendung findet.
Und seit ca. 30 Jahren wird in Baruth/Mark eben auch Wasser für die Getränkeindustrie gefördert. Die Erweiterungspläne der Brandenburger Urstromquelle waren von Anfang an Bestandteil in den Gesprächen für die Ansiedelung, insbesondere für die notwendige Dosenfabrik und ein neues Logistikcenter. Die vereinbarten Wassermengen sind seit Jahren stabil und werden nicht erhöht. Das geht schon wegen der genehmigten Kapazitäten nicht und ist auch nicht angestrebt. Die Stadt Baruth/Mark besitzt die Wasserrechte und kann im Rahmen der Genehmigung durch die obere Wasserbehörde darüber verfügen. Die Versorgung der Bevölkerung hat immer Vorrang. Eine Kapazitätserweiterung der Wassermengen ist nicht vorgesehen. Die Getränkeindustrie inklusive Dosenfabrik muss mit den zur Verfügung stehenden Wasserkontingenten auskommen (Hervorh. P. Ilk).
Ihre Amtszeit endet im Mai 2026. Was kommt danach?
Ein klassischer Ruhestand wird das auf jeden Fall nicht. Ich bin ja bereits jetzt auf vielfältige Weise ehrenamtlich tätig. Dieses Engagement möchte ich beibehalten, vor allem im Vorstand der Stadtstiftung, die seit elf Jahren soziale und kulturelle Projekte fördert.
Und natürlich schlägt mein Herz für die internationale Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere in der Mongolei, in der Ukraine und darüber hinaus. Überall wo Hilfe gebraucht wird und ich unterstützen kann, werde ich mich engagieren. Wir können die globalen Probleme auf dieser Welt nur gemeinsam lösen, durch Zusammenarbeit der Menschen weltweit. Es macht keinen Sinn, sich auf die eigenen nationalen Interessen zurückzuziehen und Hilfe nur noch dann zu geben, wenn man einen »Deal« machen kann. Das hat mit Solidarität nichts zu tun und wird die Welt am Ende ins Verderben stürzen. Deshalb ist das Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit so wichtig.
Nicht zuletzt möchte ich künftig auch mehr Zeit für die Familie haben, die in den letzten Jahrzehnten zu kurz gekommen ist.